Am 1. März 1935 wird „zur Versehung des gesamten Sicherheits- und Ehrendienstes um die Person des Bundespräsidenten und der höchsten Regierungsmitglieder sowie zur Versehung des Sicherheits- und Ehrendienstes im Regierungsgebäude am Ballhausplatz (Anmerkung: dem heutigen Bundeskanzleramt, damals zugleich Sitz des Bundespräsidenten und des Bundeskanzlers) im Rahmen der bewaffneten Macht ein Gardebataillon“ aufgestellt (entsprechend vorangegangener Ministerratsvortrag aus 1934).
Die Aufstellung erfolgte als Konsequenz des Putschversuches vom 25. Juli 1934, wo illegale Nationalsozialisten in gestohlenen Bundesheeruniformen die Wachablöse ausnutzend in das Bundeskanzleramt eindrangen und Bundeskanzler Engelbert Dollfuss töteten.
Innerhalb des Gardebataillons fanden nur Soldaten mit „sehr guter Dienstbeschreibung“ und „überprüfter Verlässlichkeit“ Verwendung – Bestimmungen, die aufgrund der grassierenden Unterwanderung auch des Bundesheeres durch den aufkeimenden Nationalsozialismus, nachvollziehbar sind.
Das Gardebataillon wurde in der Wiener Stiftkaserne aufgestellt und in weiter Folge in der leerstehenden Hofburg untergebracht.
In Anlehnung an die „k.u.k. Leibgardeinfanterie“, welche am Kaiserhof Wach- und Protokollaufgaben zu versehen hatte, erfolgte die Uniformierung mit der „Fangschnur“ (Gardeschnur) und den scharlachrot-weißen Aufschlägen – möglichweise im Einklang mit dem Wahlspruch „Ehre und Pflicht“: weiß für die Ehre (Reinheit) und rot für die Pflicht (Farbe des Blutes). Als Insignium wurde dem Gardebataillon, da die Fahne der Leibgardeinfanteriekompanie zerschlissen war, die Fahne der k.u.k. Trabantenleibgarde aus dem Heeresmuseum (dem heutigen Heeresgeschichtlichen Museum) zugewiesen.
Als Teil der „schnellen Division“ nahm das Gardebataillon an mehreren Übungen des Bundesheeres teil.
Die Dramatik des März 1938 erlebte das Gardebataillon hautnah mit:
Ein Wachzug unter dem Kommando des Oberleutnant Friedrich Birsak verhinderte in der Nacht zum 12. März unter Androhung von Waffengewalt die Besetzung der Residenz des Bundespräsidenten Wilhelm Miklas durch SS-Angehörige unter der Führung von Otto Skorzeny.
Als sich Arthur Seyß-Inquart am 12. März gegen 02:00 Uhr als neuer Bundeskanzler auf dem Balkon des Bundeskanzleramtes zeigte, haderten die in der gegenüberliegenden Amalienburg versammelten Offiziere damit, ob sie zu den Waffen greifen sollen – so die Aussage von Alfred Nagl, der damals im Gardebataillon diente.
Kurz nach Mitternacht des 12. März wurde – der mittlerweile Altbundeskanzler – Kurt Schuschnigg zu seiner Wohnung beim Belvedere gebracht, wo ebenfalls Gardesoldaten unter Major Wilhelm Karress, Wachdienst versahen. In den Morgenstunden forderten 30 bis 40 SA-Angehörige Einlass, der ihnen durch die Wache verwehrt wurde. Die Gardisten missachteten auch Seyss-Inquarts Befehl abzurücken und wurden erst am Abend von SS-Männern abgelöst.
Mit 5. April 1938 wurde das Gardebataillon schlussendlich aufgelöst und dessen Angehörige – ausschließlich Berufssoldaten – in die Wehrmacht übernommen. Viele von ihnen sind im Zweiten Weltkrieg gefallen.
Mit 5.April 1938 wurde das Gardebataillon schlussendlich aufgelöst und dessen Angehörige – ausschließlich Berufssoldaten – in die Wehrmacht übernommen. Viele von ihnen sind im Zweiten Weltkrieg gefallen.
Nach dem Ende des Weltkrieges sammelten sich 180 „Ehemalige Gardisten“ in der „Kameradschaft der Angehörigen des ehemaligen Österreichischen Gardebataillons der 1. Republik“, darunter auch – mittlerweile zum Major befördert und an am 26. September 1955 in Wien an der Spitze der Provisorischen Grenzschutzabteilung von Bundespräsident Theodor Körner empfangene – Friedrich Birsak und der spätere der spätere Zeremonienmeister bei den Olympischen Winterspielen 1964 und 1976 in Innsbruck, Rittmeister (Hauptmann) Alfred Nagl.
Als am 15. Mai 1957 das „Gardebataillon“ der Zweiten Republik aus der Provisorischen Grenzschutzabteilung (1955) bzw. dem Heereswachtbataillon (1956) hervorging – in diesem Zusammenhang erfolgte durch das demokratische Österreich die neuerliche Ausstattung der Gardesoldaten mit Fangschnur, scharlachrot-weißen Aufschlägen sowie Übergabe der Fahne der Trabantenleibgarde – suchten die Angehörigen des ehemaligen Österreichischen Gardebataillons einen losen Kontakt zu diesem neuen Truppenkörper. Einer Aufnahme „neuer“ Gardisten in die Kameradschaft der „ehemaligen“ stand man jedoch sehr reserviert entgegen.
Erst 1987 konnte man sich auf Initiative des Kommandanten des Gardebataillons, des damaligen Oberstleutnant Udo Liwa, und angesichts einer immer geringeren werdenden Anzahl „ehemaliger“ zur Gründung eines neuen Traditionsvereines aller Gardisten durchringen, der den Namen „Gardekameradschaft“ erhielt.
Mit Brigadier in Ruhe Alfred Nagl verstarb am 13. Februar 2021 in seinem 106. Lebensjahr nicht nur ein Mitglied der „Gardekameradschaft“, sondern auch der letzte Angehörige des „Österreichischen Gardebataillons“.
Als sich Arthur Seyß-Inquart am 12. März gegen 02:00 Uhr als neuer Bundeskanzler auf dem Balkon des Bundeskanzleramtes zeigte, haderten die in der gegenüberliegenden Amalienburg versammelten Offiziere damit, ob sie zu den Waffen greifen sollen – so die Aussage von Alfred Nagl, der damals im Gardebataillon diente.
Mit 5.April 1938 wurde das Gardebataillon schlussendlich aufgelöst und dessen Angehörige – ausschließlich Berufssoldaten – in die Wehrmacht übernommen. Viele von ihnen sind im Zweiten Weltkrieg gefallen.
Nach dem Ende des Weltkrieges sammelten sich 180 „Ehemalige Gardisten“ in der „Kameradschaft der Angehörigen des ehemaligen Österreichischen Gardebataillons der 1. Republik“, darunter auch – mittlerweile zum Major befördert und an am 26. September 1955 in Wien an der Spitze der Provisorischen Grenzschutzabteilung von Bundespräsident Theodor Körner empfangene – Friedrich Birsak und der spätere der spätere Zeremonienmeister bei den Olympischen Winterspielen 1964 und 1976 in Innsbruck, Rittmeister (Hauptmann) Alfred Nagl.
Als am 15. Mai 1957 das „Gardebataillon“ der Zweiten Republik aus der Provisorischen Grenzschutzabteilung (1955) bzw. dem Heereswachtbataillon (1956) hervorging – in diesem Zusammenhang erfolgte durch das demokratische Österreich die neuerliche Ausstattung der Gardesoldaten mit Fangschnur, scharlachrot-weißen Aufschlägen sowie Übergabe der Fahne der Trabantenleibgarde – suchten die Angehörigen des ehemaligen Österreichischen Gardebataillons einen losen Kontakt zu diesem neuen Truppenkörper. Einer Aufnahme „neuer“ Gardisten in die Kameradschaft der „ehemaligen“ stand man jedoch sehr reserviert entgegen.
Fotos/Text: Bundesheer/Garde